Spotlight: Halbjahresbericht Bundesamts für Cybersicherheit (BACS)

Compliance & Security

Der Halbjahresbericht 2024/II des Bundesamts für Cybersicherheit (BACS) beschreibt die Cyberbedrohungslage in der Schweiz und international für die zweite Jahreshälfte 2024. Hier die Kernaussagen:

  1. Zunahme der Cybervorfälle:
    • 2024 wurden 62’954 Meldungen zu Cybervorfällen registriert, ein Anstieg um 13’574 gegenüber dem Vorjahr. Im zweiten Halbjahr gingen 28’165 Meldungen ein, etwas weniger als im ersten Halbjahr (34’789).
    • 90 % der Meldungen stammen von Privatpersonen, 10 % von Unternehmen.

  2. Dominante Bedrohungen:
    • Betrug: Mit 18’270 Meldungen das häufigste Phänomen (zwei Drittel der Meldungen). Besonders Fake-Anrufe im Namen von Behörden (21’903 Meldungen) und betrügerische Gewinnspiele (Verdreifachung der Meldungen) sind prominent. CEO-Betrug nahm bei Gemeinden und Kirchen zu.
    • Phishing: Zweithäufigste Kategorie mit 12’038 Meldungen (+2’623 gegenüber 2023). Neue Kanäle wie RCS-Nachentrichten und QR-Codes auf Parkuhren werden genutzt. 9’355 Phishing-Webseiten wurden identifiziert.
    • Schadsoftware: Ransomware bleibt die größte Bedrohung für Unternehmen, mit 92 Meldungen 2024. Kreative Verteilungsmethoden wie gefälschte CAPTCHAs oder QR-Codes auf Briefsendungen wurden beobachtet.
    • DDoS-Angriffe: Überlastungsangriffe, z. B. durch das Botnetz „Gorilla“, trafen Websites von Kantonen, Gemeinden und Finanzdiensten. Am 24. November 2024 war die Website des Kantons Schwyz betroffen.

  3. CrowdStrike-Vorfall:
    • Am 19. Juli 2024 führte ein fehlerhaftes Softwareupdate von CrowdStrike zu einem globalen IT-Ausfall, der über 8,5 Millionen Windows-Systeme lahmlegte. Besonders die Luftfahrt war betroffen. Der Schaden wird auf Milliarden USD geschätzt.

  4. Datenabflüsse und Erpressung:
    • Datenlecks, z. B. bei OneLog und Temenos, zeigen die Bedeutung sicheren Datenmanagements. Ransomware-Angriffe gehen oft mit Datenabflüssen einher, die auf Plattformen wie BreachForums verkauft werden.
    • Hacktivisten nutzen „Hack-and-Leak“-Taktiken, um sensible Daten zu veröffentlichen.

  5. Cyberspionage und -sabotage:
    • Staatliche Akteure wie „Salt Typhoon“ (China) und „APT29“ (Russland) führten gezielte Spionagekampagnen durch. Nordkoreanische Akteure nutzen gefälschte IT-Mitarbeiterprofile für Spionage und Finanzbetrug.
    • Angriffe auf industrielle Kontrollsysteme (z. B. FrostyGoop in der Ukraine) zeigen wachsende Risiken für operative Technologie.

  6. Empfehlungen:
    • Einführung von Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), regelmäßiges Patch-Management und Schulungen zur Reaktion auf IT-Ausfälle.
    • Vorsicht bei QR-Codes, gefälschten Anrufen und E-Mails. Meldung verdächtiger Vorfälle an antiphishing.ch.
    • Sicheres Datenmanagement durch die 5Ws (Wer, Was, Wo, Wie, Wann) und regelmäßige Überprüfung auf Datenlecks.
    • Schutz industrieller Systeme durch Branchenstandards und den Cyber Resiliency Act.

FAZIT

Die Cyberbedrohungslage hat sich 2024 verschärft, mit einem Anstieg von Betrug, Phishing und Schadsoftware. Technische und organisatorische Maßnahmen sind entscheidend, um Resilienz zu erhöhen. Nicht nur Cyberangriffe, sondern auch technische Fehler wie der CrowdStrike-Vorfall können massive Auswirkungen haben.

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